Die Küche fürs Bleiben — barrierearm planen, bevor man es braucht
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Wenn Menschen zu uns kommen, um eine barrierearme Küche zu planen, ist der Anlass meistens ein trauriger. Ein Sturz, eine Operation, eine Diagnose. Dann muss es schnell gehen, und schnell ist in der Küchenplanung immer teuer.
Es geht auch anders. Die meisten Maßnahmen, über die wir hier sprechen, kosten fast nichts extra — wenn sie von Anfang an mitgeplant werden. Eine Küche bleibt 15 bis 20 Jahre. Überlegen Sie kurz, wie alt Sie in 20 Jahren sind. Genau darum geht es.
Barrierefrei oder barrierearm — der Unterschied
Barrierefrei ist ein normierter Begriff. Die DIN 18040-2 beschreibt Anforderungen an barrierefreies Bauen im Wohnungsbau, unter anderem Bewegungsflächen von 120 × 120 cm, und für die Nutzung mit Rollstuhl 150 × 150 cm. Das ist der Maßstab, wenn jemand tatsächlich im Rollstuhl sitzt oder eine Wohnung offiziell barrierefrei sein muss.
Barrierearm ist kein Normbegriff, sondern eine Haltung: eine Küche, die sich auch dann noch gut bedienen lässt, wenn die Knie schlechter werden, die Kraft nachlässt oder die Augen weniger sehen. Für die allermeisten unserer Kunden im Kreis Göppingen ist das die passende Zielrichtung.
Der schöne Nebeneffekt: Eine barrierearme Küche ist für alle bequemer. Rückenschonend eingebaute Geräte sind mit 45 genauso angenehm wie mit 75.
Warum der richtige Zeitpunkt jetzt ist
Nachrüsten ist möglich, aber teuer. Ein Geschirrspüler lässt sich nicht ohne Weiteres nachträglich erhöhen — dafür müssten Unterschrank, Arbeitsplatte und Anschlüsse geändert werden. Drehtüren gegen Auszüge zu tauschen bedeutet neue Korpusse, nicht neue Fronten.
Wenn Sie ohnehin eine neue Küche planen, ist das der eine Moment, in dem diese Entscheidungen fast nichts kosten. Danach kosten sie viel.
💡 Tipp aus der Werkstatt
Sie müssen keine „Seniorenküche“ bestellen. Sagen Sie im Beratungsgespräch einfach den Satz: „Ich möchte in dieser Küche auch mit 80 noch kochen können.“ Wir bauen das dann in die Planung ein, ohne dass man es der Küche ansieht.
Die Maße, auf die es ankommt
| Maß | Richtwert | Warum |
|---|---|---|
| Bewegungsfläche | 120 × 120 cm | Nach DIN 18040-2; mit Rollstuhl 150 × 150 cm |
| Gangbreite bei zwei Zeilen | 120 cm, mind. 100 cm | Zwei geöffnete Auszüge gegenüber brauchen Platz |
| Arbeitshöhe | ca. 10–15 cm unter Ellenbogenhöhe | Üblich 90–95 cm; im Sitzen arbeiten erfordert niedriger |
| Nischenhöhe | 50–60 cm | Abstand Arbeitsplatte zu Oberschrank |
| Geschirrspüler erhöht | 20–30 cm Sockelerhöhung | Kein tiefes Bücken beim Ein- und Ausräumen |
| Abstand Kochfeld–Dunstabzug | Induktion mind. 45 cm | Herstellerangabe ist maßgeblich |
Auszüge statt Türen — die größte einzelne Verbesserung
Wenn Sie aus diesem Artikel nur eine Sache mitnehmen, dann diese: Planen Sie Vollauszüge statt Unterschränken mit Drehtüren.
Ein Vollauszug fährt komplett aus dem Korpus heraus. Sie sehen von oben den gesamten Inhalt und müssen nichts herausräumen, um an den hinteren Topf zu kommen. Bei einer Drehtür knien Sie sich hin, greifen in die Tiefe und ziehen alles nach vorn.
Das ist mit 50 lästig und mit 75 der Grund, warum bestimmte Töpfe nicht mehr benutzt werden. Der Aufpreis für Vollauszüge ist die sinnvollste Investition in einer barrierearmen Küche.
Ergänzend bewährt haben sich: ein Apothekerauszug — ein schmaler Hochschrankauszug, der von beiden Seiten zugänglich ist — sowie Eckschranklösungen, die den Inhalt nach vorne schwenken, statt ihn in der toten Ecke verschwinden zu lassen.
Sie planen eine neue Küche im Raum Göppingen?
Geräte auf die richtige Höhe
Der Geschirrspüler gehört erhöht. 20 bis 30 cm Sockelerhöhung, und das Ein- und Ausräumen findet nicht mehr am Boden statt. Das ist die Maßnahme, für die sich Kunden im Nachhinein am häufigsten bedanken.
Der Backofen gehört in den Hochschrank, auf Griffhöhe. Ein Backofen unter der Arbeitsplatte bedeutet: ein heißes, schweres Blech aus der Hocke herausheben und dabei die Balance halten. Das ist die gefährlichste Bewegung in einer klassischen Küche.
Beim Kochfeld spricht viel für Induktion. Die Fläche selbst wird nur dort heiß, wo der Topf steht, es gibt keine offene Flamme, und die Geräte haben Restwärmeanzeigen und Abschaltautomatiken. Für Menschen, die vergesslicher werden, ist das ein Sicherheitsgewinn.
Kühl- und Gefriergeräte lassen sich ebenfalls erhöht einbauen. Und wenn Sie ein Gefrierteil unten haben: Auszüge statt Klappen.
Wir arbeiten unter anderem mit Bosch, AEG, Miele, berbel und Blaupunkt; ein Überblick steht in unserer Geräteausstellung. Welche Geräte sich in Ihrem Fall eignen, klären wir in der Küchenplanung.
Griffe, Licht und Kontraste
Hier weiche ich bewusst vom Trend ab. Grifflose Fronten mit Push-to-open sind für eine barrierearme Küche selten die richtige Wahl. Die Auszüge springen auf leichten Druck auf — das erfordert Kraft an einer definierten Stelle und eine gewisse Zielgenauigkeit. Bei nachlassender Kraft oder zittrigen Händen wird das zum täglichen Ärgernis.
Besser sind Bügelgriffe, die sich mit der ganzen Hand oder sogar mit dem Unterarm bedienen lassen. Eine Griffleiste ist der Kompromiss, wenn Ihnen die grifflose Optik wichtig ist — sie sieht ruhig aus, lässt sich aber greifen. Wie das aussieht, zeigen wir in der Ausstellung zu grifflosen Küchen.
Licht wird fast immer unterschätzt. Mit zunehmendem Alter braucht das Auge deutlich mehr Licht als mit 30. Unterbauleuchten unter jedem Oberschrank sind Pflicht — die Deckenlampe allein beleuchtet vor allem Ihren Rücken, während Sie im eigenen Schatten schneiden.
Kontraste helfen beim Sehen: eine Arbeitsplatte, die sich farblich klar von den Fronten absetzt, und Griffe, die sich von der Front abheben. Eine komplett weiße Küche mit weißer Platte sieht auf Fotos ruhig aus — im Alltag verschwinden dort die Kanten.
Was das kostet
Die Wahrheit ist unspektakulär: Von einer normalen Küche unterscheidet sich eine barrierearme Planung preislich weniger, als die meisten erwarten. Die Sockelerhöhung für den Geschirrspüler ist ein Materialaufwand. Der Backofen im Hochschrank kostet keinen Aufpreis, sondern nur eine andere Anordnung. Licht kostet etwas. Vollauszüge kosten spürbar mehr als Drehtüren — sind aber ohnehin die bessere Lösung.
Zur Einordnung der Gesamtkosten: Eine Küche mittlerer Ausstattung mit Vollauszügen, ordentlicher Arbeitsplatte und Markengeräten liegt als Richtwert bei etwa 10.000 bis 40.000 € inklusive Geräte, ohne Montage. Für die Montage rechnen Sie mit etwa 8 bis 12 Prozent des Küchenpreises. Was in Ihrem Rahmen möglich ist, sagen wir Ihnen im Gespräch — ehrlich und ohne Umweg über Rabatte.
Fünf Fehler, die ich immer wieder sehe
1. Zu spät geplant. Nachrüsten kostet ein Vielfaches. Die Entscheidung fällt beim Neukauf oder gar nicht.
2. Push-to-open, weil es modern aussieht. Siehe oben — im Alter wird daraus ein tägliches Hindernis.
3. Alles auf Rollstuhl geplant, obwohl niemand im Rollstuhl sitzt. Unterfahrbare Arbeitsflächen kosten Stauraum. Wenn keine konkrete Notwendigkeit besteht, planen Sie lieber vorbereitend: Sockel und Anschlüsse so ausführen, dass sich ein Unterschrank später herausnehmen lässt.
4. Zu wenig Licht. Die häufigste Sparposition und die, die man täglich merkt.
5. Kein Sitzplatz zum Arbeiten. Eine Fläche, an der man im Sitzen schnippeln kann, verlängert die selbstständige Nutzung einer Küche um Jahre. In einer L- oder U-Küche lässt sie sich fast immer unterbringen. Wenn der Platz nicht reicht, bauen wir eine Lösung in der eigenen Werkstatt — siehe Küche nach Maß.
📍 Küchen von Goll in Göppingen
Gartenstraße 40, 73033 Göppingen
Dienstag bis Freitag 10–18 Uhr, Samstag 10–13 Uhr, Montag geschlossen
Termin nach Absprache empfohlen: 07161 80 88 990
Häufige Fragen zur barrierearmen Küche
Sieht eine barrierearme Küche anders aus als eine normale?
Nein. Bis auf den erhöhten Geschirrspüler und den Backofen im Hochschrank sieht man einer barrierearm geplanten Küche nichts an. Es geht um Anordnung, Höhen und Bedienbarkeit, nicht um besondere Möbel. Viele Kunden entscheiden sich für diese Punkte einfach, weil sie bequemer sind.
Lohnt sich das schon mit Anfang 50?
Gerade dann. Eine Küche bleibt 15 bis 20 Jahre. Wer mit 52 eine neue Küche kauft, nutzt sie bis Anfang 70. Die Maßnahmen kosten bei der Neuplanung kaum etwas — nachträglich sind sie teuer oder gar nicht mehr umsetzbar.
Muss ich die Küche unterfahrbar planen?
Nur, wenn tatsächlich jemand im Sitzen oder im Rollstuhl arbeitet. Unterfahrbare Flächen kosten Stauraum. Sinnvoller ist meist eine vorbereitende Planung: Anschlüsse und Sockel so ausführen, dass sich ein Unterschrank später entfernen lässt. Wenn Barrierefreiheit nach DIN 18040-2 gefordert ist, gelten Bewegungsflächen von 120 × 120 cm, mit Rollstuhl 150 × 150 cm.
Ist Induktion für ältere Menschen sicherer?
In der Regel ja. Es gibt keine offene Flamme, die Fläche wird im Wesentlichen dort heiß, wo der Topf steht, und die Geräte verfügen über Restwärmeanzeige und Abschaltautomatik. Beachten Sie den Mindestabstand zum Dunstabzug von 45 cm bei Induktion — maßgeblich ist immer die Angabe des Geräteherstellers.
Kann ich meine bestehende Küche barrierearm umbauen?
Teilweise. Beleuchtung nachrüsten, Griffe tauschen und einzelne Innenausstattungen ergänzen ist meist machbar. Den Geschirrspüler zu erhöhen oder Drehtüren auf Auszüge umzustellen bedeutet dagegen neue Korpusse und Eingriffe in Arbeitsplatte und Anschlüsse — das rechnet sich selten. Wir schauen uns das vor Ort an und sagen Ihnen offen, was sinnvoll ist.
Kommen Sie zur Beratung nach Hause?
Ja, und bei diesem Thema empfehlen wir es ausdrücklich. Wir sehen dann die tatsächlichen Wege, Türbreiten und Lichtverhältnisse. Wir beraten im Kreis Göppingen und in der Umgebung, etwa in Eislingen, Uhingen, Ebersbach oder Rechberghausen — unser Studio ist in der Gartenstraße in Göppingen.
Küche für lange Nutzung planen
Wir planen Ihre Küche so, dass sie in 20 Jahren noch zu Ihnen passt — im Studio in der Gartenstraße oder bei Ihnen zuhause, ganz ohne Kaufdruck.
oder anrufen: 07161 80 88 990
